Das Ilisu Wasserkraftwerk

Der Bau des Ilisu-Staudamms ist ein national und international stark umstrittenes Projekt der türkischen Regierung.

Bereits in den 1950er Jahren wurde der Bau des Ilisu-Staudamms diskutiert, bevor er 1997 erstmals in Angriff genommen werden sollte, da zuerst Umstimmigkeiten über das endgültige Projektdesign sowie Fragen bezüglich der Finanzierung geklärt werden mussten.

Der Plan des Bau-Konsortium war es, den Tigris mit einem 1820 mm breitem und 135 m hohen Erddamm anzustauen. Dadurch sollte ein Stausee mit einer Länge von 135 km und einem Stauvolumen von 10.400 Mio. m³ Wasser entstehen. Das Wasser sollte vorrangig zur Stromerzeugung genutzt werden.

Landkarte Tuerkei Syrien Irak
Landkarte Türkei Syrien Irak

Das Ilisu-Wasserkraftwerk sollte den Tigris kurz vor der Grenze zu Syrien und Irak im Südosten des Landes aufstauen. Der geplante Staudamm liegt etwa 65 km von der türkisch-syrischen Grenze entfernt. Würde hier das Wasser gestoppt werden, hätte das Auswirkungen auf Syrien und den Irak. Denn die Flüsse Euphrat und Tigris sind abhängig vom türkischen Wasser.

Der biblische „Garten Eden“ = die mesopotamischen Sümpfe ist/sind seit 2016 Teil des UNESCO-Welterbes. Auch sie könnten durch die Flussregulierung beeinträchtigt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass bei Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes die Stadt Hasankeyf und weitere archäologisch wertvolle Fundstätten überflutet werden.

2002 ist das Projekt „Ilisu“ nach seinem ersten Anlauf aufgrund heftiger internationaler Proteste gescheitert. Dennoch wurde es 2005 wieder ins Leben gerufen und 2007 unterzeichnet. Die Türkei ignorierte die 153 Auflagen hinsichtlich des Kulturgüter- und Umweltschutzes und der Menschenrechte und begann mit dem Bau.

Erst im Juli 2009 wurde das Vorhaben durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und deren Exportrisikoversicherung gestoppt. Man sah damals die Auflagen für Umwelt- und Kulturgüterschutz als nicht erfüllt an. Die bereits begonnenen Bauarbeiten wurden eingestellt.

2010 hatte der türkische Ministerpräsident Erdogan neue Geldgeber gefunden. Der Staudamm konnte gebaut werden. Irak und Syrien sind darüber weiterhin schwer verärgert.

Aufgrund fehlender Umweltauflagen verhängte 2013 das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei einen Baustopp.

Doch auch das ebenso wie unzählige Protestaktionen konnten den Bau nicht aufhalten. Mittlerweile steht der gigantische Damm und die ersten zwei von insgesamt sechs Turbinen zur Stromerzeugung sind installiert.

Viele Aktivisten hoffen noch immer darauf, dass ein Einspruch in letzter Minute zum gewünschten Erfolg und damit zur Verhinderung des Staudamms führt.

2018 soll allerdings bereits der Staudamm fertiggestellt werden.

Auch die Kinder in Hasankeyf muessen sich ein neues Zuhause suchen
Auch die Kinder in Hasankeyf müssen sich ein neues Zuhause suchen

Hasankeyf ähnelt bereits heute einer Geisterstadt. In nicht einmal einem Jahr wird der archäologisch bedeutende Ort verschwunden sein und nichts mehr wird daran erinnern, wie die Menschen in der Jungsteinzeit hier lebten. Die Stadt und ihr Erbe sind dann für alle Zeit ausgelöscht.

Dass der Bau des Ilisu-Damms noch verhindert werden kann und Hasankeyf noch gerettet wird, daran glauben mittlerweile auch die Dammgegner selbst nicht mehr.

 

 

Es steht fest: Ein Gebiet mit kulturhistorischem und ökologischem Wert wird zerstört.

Mir selbst tut es um die Bevölkerung und den Preis, den Sie für diese kriminalistischen Machenschaften zahlt, leid. Das derzeitige Wachstum im Bausektor in der Türkei braucht vor allem eins: Energie. Und diese wird mit aller Gewalt ohne Rücksicht auf Verluste diesem Wirtschaftssektor zur Verfügung gestellt. Koste es was es wolle.

Es ist traurig wenn das Geld über dem Wohl der Menschen steht. Ilisu ist ein Parade-Beispiel dafür.